Nach einer kleinen Pause, gibt es heute wieder ein Interview – Turmi von den Ultras Regensburg hat meine Fragen beantwortet. Papa sein und die Leidenschaft für einen Fußballclub waren die Themen, aber lest selbst, was Turmi zu erzählen hat.

turmi

Hallo – stell dich doch bitte mal meinen Leserinnen und Lesern vor

Servus! Ich bin Turmi – spießiger Büroangestellter und stolzer Vater von einem dreijährigen Sohn. Ganz „nebenbei“ steh ich auch noch als Ultra für meinen Verein, den traditionsreichen SSV Jahn Regensburg, ein.

Bei meiner ersten Frage an dich, ob du ein Interview mit mir machst, war deine Antwort: „Die Hauptantwort läuft auf du brauchst die richtige Frau dazu“ – an welche Punkte würdest du das festmachen?

Naja es ist halt so, dass wenn du keine Frau hast, die versteht was das Thema Ultra bzw. Fußball/Verein für dich bedeutet wird’s halt schwer das zu leben. In der Zeit in der du als Ultra etwas machst bzw. unterwegs bist muss dir halt wer den Rücken freihalten und Verständnis für dich aufbringen. Die Termine müssen schon gut abgestimmt sein, was schon manchmal Stress hervorrufen kann. Beispielsweise wenn sich der Sommerurlaub an den Spielplan anpassen muss. Aber wenn man sich gegenseitig versteht und anderweitig einbringt läuft das schon gut. Ich bin jedenfalls mehr wie dankbar dafür.

ultras regensburg

Ultras Regensburg und Papa – wie kann man vom einen fürs andere lernen und umgekehrt?

Puh. Ich denke da kann man viel lernen…. als Papa vom Ultra das man mit plötzlich auftretenden unerwarteten Stresssituationen ganz gut umgehen kann. Verschiedene Talente, die man sich über die Jahre aneignet sind auch ganz nützlich. Malt man halt keinen Doppelhalter sondern eine Mickymaus an die Kinderzimmerwand. Um nur ein Beispiel zu nennen. Allgemein denk ich, dass der Umgang mit den Leuten aus der Kurve schon ziemlich gut auf die Eventualitäten beim eignen Kind vorbereitet. Da gibts so einen riesen Querschnitt an verschiedenen Leuten, der einfach alles abbildet und eigentlich nichts was man noch nicht gesehen hätte oder keine Lehre daraus gezogen hätte.

Andersrum wird man als Ultra vielleicht etwas gelassener wobei es natürlich schon passieren kann, gerade wenn die Leute immer jünger werden, dass zu oft mal der Papa durchkommt. Aber das ist ja per se nichts Schlechtes. Ich für meinen Teil hab, denk ich, auch nochmal eine ganz andere Einstellung zum Thema Respekt als solches und respektvoll sein entwickelt. Auf die Pubertät bin ich dank der Jungspunde in der Szene jedenfalls bestens vorbereitet – so viel kann man sagen. Ich will mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich wüsste nicht was mich da noch groß schocken könnte, wenn das Thema denn mal ansteht.

Ultras sind bekannt für die Hingabe und Liebe zu den Farben bzw. zum Verein – wie kann man die Liebe zum Kind und zum Verein vergleichen?

Also mal vorweg – die Liebe zu meinem Kind ist das größte Gefühl, das du haben kannst. Dein eigen Fleisch und Blut, was natürlich über allem steht. Da gibts nichts wirklich Vergleichbares. Im gelebten Alltag ist es dann schon sehr gut vergleichbar. Du machst dir Gedanken, du fieberst auf Ereignisse hin, bei verschiedenen Dingen bist du emotional dabei, mal passt dir was ganz und gar nicht, bist traurig und dann kommt der eine Moment da ist alles wie weggeblasen und du bist einfach happy.

nachwuchs

Dein Tipp an mich als Jungvater – was darf ich auf keinen Fall „versäumen“ oder verpassen in Bezug auf meinen Sohn?

Naja unter keinen Umständen darfst du am Tag der Geburt vergessen den Mitgliedsantrag beim Verein deiner Stadt und deines Herzens für dein Kind einzuwerfen. Ich mach mal 3 Kreuze, dass du das gemacht hast. Ansonsten natürlich so viele Momente aufsaugen und abspeichern wie möglich. Das kann vom ersten Wort bis hin zu etwas ganz banalem alles sein. Aber das spürt man eigentlich eh. Ansonsten ist halt eigentlich aus meiner Warte heraus ein Dauerauftrag das Vermitteln von Werten. Das zu versäumen bzw. versäumt zu haben, da könnte ich glaub ich am wenigsten damit leben.

 

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